Tabakblätter enthalten Nikotin, ein starkes Nervengift. Wer mit der Haut die Blätter berührt, nimmt Nikotin auf und vergiftet sich. Je feuchter der Tabak, desto schlimmer. In der südbrasilianischen Hitze schwitzen die Pflanzer und leiden deshalb stark an der «grünen Tabakkrankheit», wie die Nikotinvergiftung auch genannt wird. In der Erntezeit, wenn die Hitze am größten ist, wird es noch schlimmer. Quelle: “Kinderarbeit beim Tabak: Leiden für Raucher” – Sendung KASSENSTURZ – Schweizer Fernsehen 2010

 

US-Studie

Malawi: – viele … unter schmerzhaftem Husten leiden, unter Kopf- und Bauchschmerzen und unter Muskelschwäche: alles typische Symptome einer Nikotinvergiftung. Ein Kind, das ohne Schutzkleidung auf einer Tabakplantage arbeitet, nimmt einer US-Studie zufolge bis zu 54 Milligramm Nikotin über die Haut auf; so viel, als hätte es 50 Zigaretten geraucht. Quelle: Süddeutsche Zeitung “Das blutige Geschäft mit den Tabak-Sklaven, 18.6.2016

 

Die Ärztin

Die Wissenschaftlerin Rosa Wolff erforscht die Wirkung von Tabak auf den menschlichen Organismus seit Jahren. Die Studien der Medizinerin zeigen: “Wer während vier Stunden Tabakblätter erntet und dabei noch schwitzt, vergiftet seinen Körper so stark mit Nikotin wie jemand, der 20 Zigaretten raucht.” Sie untersucht die 9-Jährige Franzciele Moro: “Ich untersuche die Reflexe. Die Vergiftung durch Pestizide und Nikotin bewirken eine Veränderung des Nervensystems. Das wirkt sich dann so aus, dass bei diesen Kindern Reflexe fehlen, ein Zeichen von Nervenschäden.” Quelle: “Kinderarbeit beim Tabak: Leiden für Raucher” – Sendung KASSENSTURZ – Schweizer Fernsehen 2010

 

Der Tabakbauer

“Es ist viel zu heiß. Die Industrie möchte zwar, dass man eine Schutzkleidung mit Helm und Stiefel trägt, aber das hält hier keiner aus. Ungeschützt spritzen ist gefährlich. Viele Pflanzer leiden nach jahrelanger Arbeit  mit Pestiziden an Erkrankungen von Nervensystem und Atemwegen,” sagt José Carlos Pereira, Tabakbauer im Süden Brasiliens. Quelle: “Kinderarbeit beim Tabak: Leiden für Raucher” – Sendung KASSENSTURZ – Schweizer Fernsehen 2010

 

Die Grüne Tabakkrankheit

Informationen über die von den Arbeiter*innen beschriebenen Auswirkungen finden sich im WIKIPEDIA-Artikel über die Grüne Tabakkrankheit wieder. Interessant ist auch, wie wenig wissenschaftliche Untersuchungen es darüber gibt. Wikipedia

 

Stechender Schmerz im Brustkorb

Malawi, Dalitso Batison, elf Jahre alt. Der Husten, den man bei der Tabakernte bekommt, sei anders als bei einer Erkältung, sagt Dalitso Batison, der in einem rissigen lila Hemd auf einer Bastmatte vor dem Haus seines Vaters sitzt: “Es tut stärker weh. Ein stechender Schmerz im Brustkorb.” Nach dem Unterricht hilft er seinen Eltern beim Anpflanzen, Ernten und Trocknen des Tabaks; “es ist harte Arbeit”, sagt er. Sein Vater Charles, der neben ihm sitzt, schaut zu Boden; “ich würde ihn lieber heute als morgen von dieser Arbeit befreien”, sagt er, “und statt dessen erwachsene Erntehelfer anheuern, aber ich kann nichts machen, die Preise sind inzwischen so lächerlich niedrig.” Quelle: Süddeutsche Zeitung “Das blutige Geschäft mit den Tabak-Sklaven, 18.6.2016

 

Kreuzschmerzen

Sambia, Leyla 12 Jahre: Ich habe oft Kreuzschmerzen, weil wir viele Stunden lang arbeiten. Wenn der Tabak reif ist, dann haben wir so viel zu tun, dass ich nicht zur Schule gehen kann. Ich bezahle vom verdienten Geld meine Schulgebühren, die Bücher und meine Kleidung. Sogar mein Bett habe ich selbst bezahlt. Quelle:Kindernothilfe Video Youtube: “Diese Arbeit macht mich krank” – Kinderarbeit auf Tabakplantagen und in Steinbrüchen  

 

14 Stunden arbeiten

Brasilien, Die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen wurden jeden Morgen um sechs Uhr auf einem an einen Traktor angehängten Karren zu den Feldern transportiert, wo sie die Tabakernte vornehmen mussten und dabei ohne angemessene Schutzkleidung den Pflanzenschutzmitteln ausgesetzt waren. Gegen acht Uhr Abends wurden sie zu ihrer Behausung zurückgebracht. Quelle: amerika21 Elf Kinder und Jugendliche aus Sklavenarbeit befreit

 

Übermüdung

Rosa Wolf, Ärztin mit Franzciele Moro, 9 Jahre alt: “Sie hat starke Lernschwierigkeiten, dies sei in der Region ein großes Problem. Die Kinder haben keine Zeit für sich, weil sie arbeiten müssen. Diese körperliche Arbeit ermüdet die Kinder so stark, dass sie in der wenigen Freizeit, die ihnen bleibt, so erschöpft sind, dass sie nicht mehr lernen können… Quelle: “Kinderarbeit beim Tabak: Leiden für Raucher” – Sendung KASSENSTURZ – Schweizer Fernsehen 2010

 

Schutzkleidung

Als “Green Tobacco Sickness” (GTS), Grüne Tabakkrankheit, bezeichnen heute auch die internationalen Konzerne selbst das unter Plantagenarbeitern verbreitete Leiden – British American Tobacco schreibt auf seiner Website: Obwohl der Stand der Forschung noch “begrenzt” sei, erkenne man ein mögliches Gesundheitsrisiko an – und empfehle Plantagenarbeitern, möglichst keine regennassen Blätter zu verarbeiten und grundsätzlich wasserdichte Schutzkleidung zu tragen. Schutzkleidung? “Ja, die bekommen wir von Alliance One gestellt”, sagt Charles Batison und verschwindet wieder kurz in seiner Hütte. Zurück kommt er mit einem Paar Einmal-Handschuhe aus Latex, wie man sie in einem deutschen Drogeriemarkt im Hunderter-Pack für rund fünf Euro bekommt. Alliance One erklärt dazu, die in Malawi angebaute Tabaksorte Burley habe einen vergleichsweise niedrigen Nikotingehalt, dennoch informiere man die Vertragsbauern über die Notwendigkeit, langärmlige Hemden zu tragen und nach der Arbeit die Hautpartien, die mit Tabakblättern in Berührung gekommen sind, zu waschen. Jeder Bauer erhalte jährlich “vier Paar Latexhandschuhe, vier Gesichtsmasken und zwei Stück Seife”. Quelle: Süddeutsche Zeitung “Das blutige Geschäft mit den Tabak-Sklaven, 18.6.2016

 

Depressionen

Eine anderen häufige Krankheit bei den Tabakbauern im Süden Brasiliens sind Depressionen. Sonia Moro, Mutter von Faciele ist stark depressiv. Jahrelang arbeitete sie als Tabak Sie hat keine Lebensmittel mehr.  Ich habe mehrmals probiert, mir das Leben zu nehmen. Ich habe Gift genommen, mich aufgehängt. Diese Geschichte erlebe ich immer wieder. In jeder Familie gibt es jemanden, der an Depressionen leidet. Die Selbstmordrate ist in dieser Region sehr hoch, viel höher, als in Regionen Brasiliens, in denen kein Tabak angebaut wird. Studien belegen, dass die Selbstmordrate in REgionen Brasiliens, in denen Tabak angebaut wird, siebenmal so hoch ist wie in anderen. Quelle: “Kinderarbeit beim Tabak: Leiden für Raucher” – Sendung KASSENSTURZ – Schweizer Fernsehen 2010

 

Gesundheitsministerium Malawi

Wie die Regierung das Thema Gesundheitsrisiken bei der Tabakernte angeht, davon vermittelt ein Anruf im Gesundheitsministerium einen Eindruck. Charles Mwansambo, in Großbritannien ausgebildeter Kinderarzt, ist Leiter der Abteilung staatliches Gesundheitswesen. “Grüne… wie? Tabakkrankheit?” fragt er am Telefon. “Das ist uns nicht bekannt, dafür haben wir keine Kategorie. Schicken Sie mir eine E-Mail mit der genauen Bezeichnung, dann kann ich das mal für Sie googeln.” Quelle: Süddeutsche Zeitung “Das blutige Geschäft mit den Tabak-Sklaven, 18.6.2016

 

Ein Professor an der medizinischen Fakultät

Und was sagt ein unabhängiger Mediziner zu dem Thema? Besuch bei John Chisi, Professor an der medizinischen Fakultät der Universität von Malawi und zugleich Vorsitzender der malawischen Ärztekammer. Ein kompakt gebauter Mann in grauem Nadelstreifenanzug; er empfängt am frühen Abend in seinem Büro, auf der Besuchercouch sitzen zwei weitere Männer. “Nun, ich bin Mediziner, aber auch Politiker”, erklärt er zur Begrüßung, “da muss ich meine Worte gut abwägen.” Chisi hat 2014 zum ersten Mal bei der Präsidentschaftswahl kandidiert, mit mäßigem Erfolg, aber nächstes Mal werde er es schaffen, da gibt er sich selbstbewusst. Und nun zu den medizinischen Fragen: “Grüne Tabakkrankheit, sagen Sie? In der seriösen Medizin brauchen Sie Beweise. Wie wollen Sie dieses grüne Was-Auch-Immer diagnostizieren? Über Antikörper im Blut?” Gesundheitsgefährdung durch Tabak sei nur beim Rauchen erwiesen, darauf beharrt der Professor, “und die Malawier rauchen nicht, weil sie schlicht kein Geld haben.” Aber selbst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärt doch, dass Kinder, die Tabak ernten, durch die Grüne Tabakkrankheit “besonders gefährdet” seien. “Ja, die WHO”, sagt der Mediziner, “wissen Sie, jede Organisation hat doch eine bestimmte Agenda.” Dann schaltet sich einer der beiden Männer auf der Couch in das Gespräch ein; er stellt sich vor als der politische Sprecher des Präsidentschafts-Anwärters John Chisi – und als Sohn eines malawischen Tabak-Großbauern. “Es mag ja sein, dass Leute Atemprobleme bekommen”, sagt er, “aber dann eher von Pestiziden. Bei uns auf der Farm benutzen wir Traktoren, um Pestizide auszutragen, da kommt kein Arbeiter direkt in Berührung damit.” Quelle: Süddeutsche Zeitung “Das blutige Geschäft mit den Tabak-Sklaven, 18.6.2016

 

arte Journal Video Youtube: Kinderarbeit auf Amerikas Tabakfeldern 

 

Bayerischer Rundfunkt Video Verschwundene Nutzpflanze: Tabakanbau im Kammersteiner Land | Zwischen Spessart und Karwendel