James Mwale, der in Wirklichkeit ein bisschen anders heißt, trägt ein fleckiges Hemd über der Hose, die Füße nackt, schwielig und rissig. “Was Sie hier sehen, ist alles das Werk meiner Hände”, erklärt er: Tabak anpflanzen, ernten, die Blätter trocknen und bündeln, dafür bekommt er Essen und Seife und ein Gehalt, das der Chef nach Gutdünken festlegt: Diesmal hat er ihm 95 000 Malawische Kwacha ausgezahlt, rund 130 Euro – für die Arbeit einer ganzen Saison. Die Marktpreise sind schlecht, sie werden jedes Jahr schlechter, so erklärt der Chef es ihm. “Es gibt leider Menschen”, sagt James Mwale, “die sind nicht allzu gottesfürchtig.” Sein Herr sei ein durchaus wohlhabender Mann, er habe fünf Kühe, dazu Schweine und Ziegen. Und acht Kinder.

James Mwale selbst hat praktisch nichts; seine Frau hat ihn vor sechzehn Jahren verlassen, kurz nach der Geburt des Sohnes, den er seither nie wieder gesehen hat, “sie wollte nicht mit einem Mann zusammen sein, der ihr nichts bieten kann”, sagt er. “Gott sei Dank habe ich noch gesunde Hände und Füße und kann arbeiten.” Zwar tun ihm oft die Knochen weh nach einem langen Tag, doch dann bekommt er von seinem Herrn Schmerztabletten, oder einen Hustenstiller, wenn er dieses Stechen im Brustkorb spürt. Damit er am nächsten Morgen wieder aufs Feld gehen und zupacken kann.

aus: Süddeutsche Zeitung “Das blutige Geschäft mit den Tabak-Sklaven”, 18.06.2016