Bundespressekonferenz: Wie sie sich winden!

In der Bundespressekonferenz vom 22.03.2019 ging es unter anderem um “Rauchen im Auto” und “Tabakwerbung”

Es lohnt sich den Wortwechsel mit Jugendlichen zu lesen oder sehen (ab 27. Minute)

 

Es gibt Auskunft für das Bundesministerium für Gesundheit Teresa Nauber

Es fragt die Journalistin Frühauf, WDR

 

Es fängt einige Sekunden früher an: Der Beitrag im Original

FRAGE FRÜHAUF: Nordrhein-Westfalen will versuchen, über dem Bundesrat einen Gesetzentwurf über das Rauchverbot in Autos einzubringen, wenn Schwangere oder Minderjährige sich mit im Auto befinden. Wie steht das Bundesgesundheitsministerium zu diesem Vorhaben?

NAUBER: Wie Sie wissen, ist Rauchen das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko in Deutschland. Wir als BMG ermuntern daher jeden, mit dem Rauchen aufzuhören oder, noch besser, gar nicht erst damit anzufangen.

Zum Thema „Rauchen im Auto“ hat sich die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, bereits geäußert: „Wenn Kinder im Auto mitfahren, sollte selbstverständlich sein, dass nicht geraucht wird. Studien belegen, dass sich die Giftstoffe extrem schädlich auf die Gesundheit der Kinder auswirken. Bronchialerkrankungen, Asthma und weitere Erkrankungen können die Folge sein. Hinzu kommt, dass Kinder nicht wie zu Hause die Gelegenheit haben, mal schnell rauszugehen, wenn ihnen der Rauch zu viel wird.“

Die Bundesregierung setzt hier auf Prävention und Aufklärung. Marlene Mortler hat zum Beispiel 2016 die Kampagne „rauchfrei unterwegs“ ins Leben gerufen. Gemeinsam mit vielen starken Partnern werden seitdem Eltern und Autofahrer über die Risiken aufgeklärt und aufgefordert, auf das Rauchen im Auto zu verzichten.

ZUSATZFRAGE FRÜHAUF: Das heißt, Sie sind nicht für ein Verbot, sondern stehen für freiwillige Positionen. Verstehe ich das richtig?

NAUBER: Wie gesagt: Die Bundesregierung setzt auf Prävention und Aufklärung. Das Wichtigste für uns ist, dass die Kinder geschützt werden; klar. Dafür sind Prävention und Aufklärung aus unserer Sicht die wirksamsten Hebel. Zuallererst muss bei den Eltern die Einsicht vorhanden sein, dass sie ihren Kindern damit Schaden zufügen.

FRAGE JUNG: In der Öffentlichkeit kommen die Kinder ja auch mit Tabakwerbung in Kontakt. Wie ist die Haltung des Gesundheitsministeriums dazu? Sollte Tabakwerbung verboten werden? Haben Sie da etwas vor?

NAUBER: Der Gesundheitsminister hat sich dazu schon geäußert. Das Zitat habe ich allerdings, glaube ich, nicht dabei. Das werde ich aber auch gerne nachliefern.

FRAGE JESSEN: Habe ich es jetzt richtig verstanden, dass für Ihr Haus Prävention und Aufklärung ein wichtigerer das heißt ja auch: effizienterer Hebel als ein Verbot ist?

NAUBER: Ich habe mich dazu jetzt ausreichend geäußert, würde ich sagen.

ZUSATZ JESSEN: Also habe ich Sie nicht falsch verstanden. Ansonsten bitte ich Sie, mich zu korrigieren.

NAUBER: Die Bundesregierung setzt bei diesem Thema auf Prävention und Aufklärung, wie ich schon gesagt habe.

ZURUF JESSEN: Und nicht auf Verbot!

FRAGE JUNG: Hat das Wirtschaftsministerium eine Haltung zum Tabakwerbeverbot?

WAGNER: Ich kann Ihnen dazu nichts mitteilen.

ZUSATZFRAGE JUNG: Können Sie es nachreichen?

WAGNER: Das liegt, soweit ich weiß, jetzt nicht primär in unserer Zuständigkeit. Daher bringen wir uns dann im Rahmen von Abstimmungen ein, wie es üblich ist.

ZUSATZ JUNG: Ich hatte gedacht, die Tabakwirtschaft wird sich ja wahrscheinlich auch einmal mit Herrn Altmaier treffen und dabei Positionen einbringen.

WAGNER: Ich habe Ihnen gerade dazu gesagt, dass, wenn die Frage ansteht, wir uns natürlich dazu verhalten.

 

Danke an Tilo Jung von Jung&Naiv:  Wortprotokoll der Bundespressekonferenz vom 22.03.2019

 

Werbung

Bundestag: Expertenmehrheit für Tabakwerbeverbot

Ernährung und Landwirtschaft/Ausschuss  / Komplette Sitzung sehen

Berlin: (hib/EIS) Die Einführung eines umfassenden Tabakwerbeverbots wird von Experten mehrheitlich befürwortet. In einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft am Montagnachmittag haben sich sechs von acht Sachverständige wohlwollend über einen entsprechenden Antrag der Fraktion Die Linke (19/2539) und einen Gesetzentwurf der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (19/1878) geäußert. Die Linksfraktion forderte darin ein umfassendes Verbot aller Formen der Kino- und Außenwerbung für Tabakprodukte, ein Verbot der kostenlosen Abgabe von Tabakerzeugnissen, ein Verbot des Tabaksponsorings sowie ein Verbot des gezielt an Jugendliche gerichteten Tabakmarketings. Deutschland habe das Rahmenübereinkommen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Eindämmung des Tabakgebrauchs unterzeichnet, aber nicht umgesetzt, kritisieren die Abgeordneten. Die Grünen traten ebenfalls für ein Werbeverbot für Tabakerzeugnisse, elektronische Zigaretten und Nachfüllbehälter ein und wandten sich gegen die kostenlose Abgabe von Tabakerzeugnissen. Deutschland sei das einzige Land in der EU, in dem großflächige Außenwerbung auf Plakaten oder Tabakwerbung im Kino noch immer erlaubt seien, heißt es in der Vorlage. Mit dem Gesetzentwurf sollen “vermeidbare Risiken für die menschliche Gesundheit insbesondere bei Kindern und Jugendlichen reduziert werden”.
Frank Henkler-Stephani vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stellte in der Anhörung fest, dass die Raucherquote mit 25 Prozent in Deutschland deutlich höher liege als in vergleichbaren Industrieländern wie den Niederlanden und Großbritannien, Der Wissenschaftler erläuterte, dass in den Vergleichsländern weitreichende Werbebeschränkungen gelten würden. Nach toxikologischen Kriterien sei die Tabakzigarette das mit Abstand risikoreichste Tabakerzeugnis. Die rund 120.000 Todesfälle im Zuge des Tabakkonsums seien im Wesentlichen auf die Tabakzigaretten zurückzuführen. Zumindest im Bereich der Zusatzstoffregulierung seien in den vergangenen Jahren wichtige Fortschritte erzielt worden, sagte der Wissenschaftler, hinsichtlich der Werbeverbote hingegen noch nicht.
Gegen ein Totalwerbeverbot wandte sich Jan Mücke vom Deutschen Zigarettenverband e.V. (DZV), denn Tabakwerbung, die sich an Kinder und Jugendliche richte, sei bereits gesetzlich verboten. Nach den Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sei in den letzten 15 Jahren die sogenannte Raucherprävalenz bei KinderŽn und Jugendlichen von 28 Prozent auf 7,4 Prozent gesunken. Das sei der gemeinsame Erfolg durch Aufklärung, Prävention und die strikte Anwendung von Kinder- und Jugendschutzregeln durch den Handel und die Industrie. Die fehlende Verfügbarkeit sei das beste Instrument, um den Kinder- und Jugendschutz sicherzustellen. Weil bereits jetzt ein weitreichendes Tabakwerbeverbot durchgesetzt sei, würde ein vollständiges Verbot der Werbung allerdings einen Eingriff in die Freiheitsrechte der Unternehmen darstellen, argumentierte Mücke. Ein Totalwerbeverbot wäre demnach verfassungswidrig.
Aus juristischer Sicht sprach sich Christoph Degenhart von der Universität Leipzig ebenfalls gegen ein Totalverbot aus, das er als unverhältnismäßig bewertete. Denn es gehe bei dieser Frage nicht nur um die Tabakwerbung, sondern die Vorstöße für ein Totalverbot hätten generell eine Pilotfunktion für Verbote und Reglementierungen für Produkte und Dienstleistungen, die als schädlich oder als sozial unverträglich gewertet werden. Auch wenn die Initiativen Ausdruck staatlicher Fürsorge seien, dürfe die Fürsorge nicht erdrückend wirken und im Widerspruch zur grundgesetzlichen Autonomie des Einzelnen stehen. Außerdem sei die Begründung für die Verbotserweiterung, Jugendliche schützen zu wollen, verfassungsrechtlich nicht hinreichend legitimiert, denn es gelte in dieser Hinsicht bereits ein Verbot. Degenhart bewertete ein mögliches Verbot der Außenwerbung als intensiven Grundrechtseingriff, weil auch die Werbung Ausdruck grundgesetzlicher kommunikationsrechtlicher Freiheit sei und grundrechtlich geschützt. Es sei nicht Aufgabe des Staates, einzelne Erwachsene vor sich selbst zu schützen.
Für ein umfassendes Werbeverbot sprach sich Reiner Hanewinkel vom IFT-Nord Institut für Therapie- und Gesundheitsförderung aus. Untersuchungen hätten ergeben, dass Werbung für Tabak und E-Zigaretten für Kinder und Jugendliche eine Rolle spiele. Zahlreiche Studien würden belegen, dass Tabakwerbung als eigenständiger Risikofaktor für die Initiierung des Rauchens angesehen werden müsse. Auch neue Tabaksticks und E-Zigaretten sollten nach Meinung von Hanewinkel verboten werden. Darüber hinaus müsse auch die E-Zigarettenwerbung in ihrem Einfluss auf das Verhalten der Kinder mit in die Verbotsbemühungen einbezogen werden. Auch Tobias Effertz von der Universität Hamburg stimmte den Verbotsforderungen zu. Nach Schätzung des Wissenschaftlers kosten die Folgen des Rauchens die Gesellschaft jedes Jahr 97 Milliarden Euro. Insbesondere erwachsene Raucher würden trotz der gesunkenen Raucherprävalenzen bei den Jugendlichen verstärkt weiterrauchen. Alle Sozialversicherungszweige könnten davon profitieren, wenn das Rauchen insgesamt weiter zurückgeführt werden würde. Bei der Außenwerbung und Kinowerbung handele es sich um effektive Maßnahmen zur Begünstigung und Verstetigung des Tabakrauchens bei Jugendlichen und Heranwachsenden. Die nach wie vor bestehenden Werbemöglichkeiten der Tabakindustrie hätten in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, dass der Rückgang der Raucher in Deutschland nur sehr gering ausgefallen sei, meinte Effertz. Deshalb sollten auch die E-Zigaretten vom Werbeverbot eingeschlossen werden, denn dahinter stehe ebenfalls das Produkt Nikotin.
Daniel Kotz von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf befürwortete ebenfalls ein umfassendes Werbeverbot, das alle Formen von Werbung, Promotion und Sponsoring einbeziehen sollte sowie alle alternativen Tabakprodukte wie E-Zigaretten, Tabakerhitzer und Wasserpfeifen. Es sei leicht mit dem Rauchen anzufangen, aber unendlich schwer damit aufzuhören. Die Folgen des Tabakrauchens seien verheerend und das Rauchen der größte vermeidbare Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen. Nach Ansicht des Wissenschaftlers ist die Tabakwerbung eine wichtige Ursache für den anhaltend hohen Tabakkonsum in Deutschland.
Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg bezeichnete Tabakkonsum als das größte vermeidbare Krebsrisiko dieser Zeit. Allein in diesem Jahr könnten 85.000 Krebsneuerkrankungen und damit jede fünfte Krebserkrankung auf das Rauchen zurückgeführt werden. Mons sah ein Werbeverbot ebenfalls als erforderlich an, denn es gebe einen kausalen Zusammenhang zwischen Tabakwerbung und einem erhöhten Tabakkonsum. Werbung für Tabakerzeugnisse werde nicht nur von erwachsenen Rauchern, sondern auch von Jugendlichen wahrgenommen und befördere den Einstieg. Ein Außenwerbeverbot sei deshalb erforderlich und würde eine Schutzlücke schließen.

 

Werbung

CDU und die zweifelhaften Argumente für die Tabakwerbung

Zum “vorweihnachtlichen Mittagessen” bat Zigarettenhersteller Reemtsma (“West”) auserwählte Bundestagsabgeordnete und -mitarbeiter am vergangenen Dienstag in die Berliner Vertretung des Landes Hamburg. Livrierte Kellner servierten bei Kerzenschein Jakobsmuschelsuppe, Kalbsfilet an Rotweinjus und Süßkartoffelpüree. Unter den Geladenen war auch Dominik Wehling, der Referent der Arbeitsgemeinschaft für Kommunalpolitik der Union. Dieses Gremium vertritt in der CDU/CSU-Fraktion die Interessen der Kommunen. Laut Insidern ist es neben dem CDU-Wirtschaftsflügel einer der mächtigsten Fürsprecher der Tabakwerbung.

Warum, verriet Wehling in einer kleinen Rede nach dem Hauptgang. “Aus kommunaler Sicht”, versicherte er seinen Gastgebern, den Zigaretten-Lobbyisten, sehe man ein Werbeverbot “sehr kritisch”:

“Es geht (……) einfach darum, dass sehr viele Städte mit Stadtmöblierern (Außenwerbungs-Unternehmen wie Ströer oder JC Decaux, Anmerkung der Red.) Verträge geschlossen haben: über Bushaltestellen, Infotafeln, WLAN-Hotspots und weiß nicht, womit man alles die Menschen in so einer Stadt beglücken kann. Das wird alles finanziert über Außenwerbung, und der überwiegende Teil der Einnahmen dieser Stadtmöblierer aus Außenwerbung ist (…) Zigarettenwerbung.”

Kurz darauf fügte Wehling an:

“Wir sehen aber auch: Wir werden mit dieser Haltung nicht öffentlich rausgehen können – weil die Diskussion, das Leben von Jugendlichen gegen eine Bushaltestelle, können Sie sich ausrechnen, wie lang man das aushält.”

Zu erklären, dass ihnen Bushaltestellen offenbar wichtiger sind als der Schutz der Jugend vor Zigaretten, das würde den Kommunalpolitikern von CDU und CSU tatsächlich schwer fallen.

Auf Anfrage erklärte Wehling, er könne seine Aussagen beim Reemtsma-Essen “in der von Ihnen zitierten Form nicht bestätigen”. Dem SPIEGEL liegen allerdings Aufnahmen seiner Rede vor.

Öffentlich zitieren lassen möchte sich die AG Kommunalpolitik nur mit einer Stellungnahme, deren Fokus auf der angeblich schwachen Wirkung der Plakatwerbung auf Minderjährige liegt. Hier heißt es, “dass Außenwerbung für die Rauchentscheidung Jugendlicher nicht mehr die Relevanz besitzt, die man in der Vergangenheit angenommen hatte”. Dort steht aber auch: “Für viele Kommunen sind die aus Außenwerbung generierten Einnahmen von nicht zu unterschätzender Bedeutung – gerade hinsichtlich der von Stadtmöblierern bereitgestellten bzw. unterhaltenen Infrastruktur wie Bushaltestellen.”

Um eine Gewichtung der Argumentation gebeten, erklärte Wehling gegenüber dem SPIEGEL am Telefon, Hauptargument für die Ablehnung des Werbeverbots sei die mangelnde Relevanz von Außenwerbung für die Rauchentscheidung Jugendlicher. Beim Reemtsma-Weihnachtsessen war der Eindruck ein anderer: Dass sich Jugendliche durch Außenwerbung angeblich kaum beeinflussen ließen, erwähnte Wehling dort erst, nachdem er konstatiert hatte, dass man mit dem Finanzargument “nicht öffentlich rausgehen” könne.

Und: Die Behauptung, die Werbewirkung sei gering, widerspricht wissenschaftlichen Erkenntnissen. So zeigt eine Studie des Kieler Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung, dass der Anteil von Rauchern bei Schülern, die viel Tabakwerbung ausgesetzt sind, doppelt so hoch ist wie bei Schülern, die wenig Zigarettenreklame sehen.

Den ganze Artikel lesen Spiegel Online

Politik

Anhörung im Bundestag – Eure Aktion ist gefragt!

Die Einführung eines umfassenden Verbots für Tabakwerbung ist das Thema einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft. Die Ausschussmitglieder haben am Mittwochmorgen einstimmig beschlossen, eine Anhörung am Montag, 10. Dezember 2018, von 13.30 Uhr bis 15:30 Uhr mit neun Sachverständigen abzuhalten. Grundlage der Anhörung sind ein Antrag der Fraktion Die Linke für ein umfassendes Tabakwerbeverbot (19/2539) und ein Gesetzentwurf der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes (19/1878).

Weiterlesen: Deutscher Bundestag

 

Was können wir tun, was könnt ihr tun?

Jetzt kommt es darauf an, dass die Abgeordneten nicht nur die Meinung der Lobbyisten hören, sondern auch eure! Vor allem die Jugendlichen sollen den den Politiker*innen sagen, was sie davon halten. Aber wie kommt ihr an die Politiker*innen heran. Ganz einfach, auf der Webseite des Deutschen Bundestages findet ihr die Abgeordneten. Damit habt ihr zwar die Namen und die Parteizugehörigkeit, aber noch nicht die Mail-Adresse. Die stellt ihr euch selbst zusammen: Vorname.Nachname@bundestag.de. Mit etwas Übung ist das gar nicht schwer.

 

Und hier mal ein  Textvorschlag

Tabakkonzerne verletzen Kinderrechte gleich zweimal / Tabakwerbung muss verboten werden

Sehr geehrte Frau Abgeordnete,

wir mussten erleben, dass Deutschland zum Schlusslicht im Schutz der Kinder und Jugendlichen vor den Tabakkonzernen geworden ist. Es ist schon peinlich, dass die Politik den Beteuerungen der Tabakindustrie Glauben schenkte, die sehr frühzeitig zeigte, dass sie ihre Werbung nicht einschränkte, sondern im Gegenteil noch bewusster auf Jugendliche ausgerichtet hat, um diese so früh wie möglich zur Sucht zu lenken.

Die damaligen Minister Christian Schmidt (Ernährung, CSU), Hermann Gröhe (Gesundheit, CDU) und die Drogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) konnten mit ihrem dramatischen Appell an die Abgeordneten die Zurückziehung des Gesetzentwurfes nicht verhindern. „Kinder und Jugendliche können der Tabakwerbung auf Plakaten im öffentlichen Raum und im Kino nicht ausweichen“, schrieben sie und argumentierten dann auch mit wirtschaftlichen Fakten: Der Staat mache “kein gutes Geschäft” mit den Tabaksteuereinnahmen von 14 Milliarden Euro im Jahr, weil ihnen tabakbedingte Mehrkosten von 78 Milliarden Euro gegenüberstünden.

Eine Umfrage der AOK ergab in Baden-Württemberg, dass 68 Prozent der Befragten gegen jede Werbung für Tabakwaren ist. Eine Forsa-Umfrage ergab, dass das Einstiegsalter von 29 Prozent der Befragten bei 16 oder 17 Jahren und bei 32 Prozent sogar bei 14 oder 15 Jahren lag.

Wenn die Bundesregierung dem hier nicht deutlich mit einem Tabakwerbeverbot gegenwirkt, macht sie sich unglaubwürdig. Aus unserer Sicht ist es nicht nur sträflich, die Gesundheit von Kindern bewusst aufs Spiel zu setzen. Die Aussagen des Europachefs des weltgrößten Tabakkonzerns Philipp Morris sprechen Bände: Auf die Frage, ob er ihnen die E-Zigarette Iqos seines Unternehmens empfehlen würde, sagte Fred de Wilde dem “Handelsblatt”: “Wenn sie Raucher wären, dann würde ich ihnen sofort zu dem neuen Produkt raten. Wenn sie Nichtraucher wären, würde ich sagen: ‘Fangt erst gar nicht mit dem Rauchen an.'” (SPIEGEL-Online 17.6.2017)

Sie können also als Politiker*innen diesen Konzernen nicht die Gesundheit unserer Kinder in die Hände legen! Das Recht, gesund aufzuwachsen ist ein wichtiges Kinderrecht!

Etwas Anderes kommt hinzu. Hunderttausende Kinder müssen in den Tabakanbaugebieten schwerste Arbeit leisten, verpassen durch unterdurchschnittlichen Schulbesuch ihre Zukunftschancen und werden vor allem durch Nikotin schwer geschädigt. Das Nikotin dringt durch die Berührung über die Haut in den kleinen Körper ein und zwar in unvorstellbaren Mengen, nämlich also ob sie 50 bis 60 Zigaretten geraucht hätten. Die gesundheitlichen Schäden sind verheerend. Verantwortlich sind die Tabakkonzerne, die Margen für den Tabakaufkauf so geringhalten, dass als die billigsten Arbeitskräfte die Kinder mitarbeiten müssen.

Wir möchten Sie bei Ihren Entscheidungen bitten zu berücksichtigen, dass die Konzerne rücksichtslos mit der Gesundheit von Kindern umgehen und bitten Sie daher, die Werbung für Tabakwaren zu unterbinden.

Mit freundlichen Grüßen

 

 

Werbung

Baden-Württemberg: Mehrheit gegen Tabakwerbung

Die deutliche Mehrheit (68 Prozent) der Baden-Württemberger findet, dass Werbung für Tabakwaren komplett verboten werden sollte. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der AOK Baden-Württemberg in Auftrag gegebene repräsentative Forsa-Umfrage. „Ein Verbot ist auch mit Blick auf die immer jünger werdenden Einstiegsraucher sinnvoll, denn insbesondere jüngere Menschen lassen sich durch Werbung leicht beeinflussen. Diese Gruppe ist besonders gefährdet, da das Risiko lebenslanger Tabakabhängigkeit und die Schwere der gesundheitlichen Folgen mit sinkendem Einstiegsalter steigen“, sagt Dr. Manuela Pfinder, Suchtexpertin bei der AOK Baden-Württemberg. Je mehr Zigarettenwerbung Kinder und Jugendliche sehen würden, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass sie selber mit dem Rauchen beginnen.

Nach Ansicht von Dr. Manuela Pfinder ist vor allem das junge Einstiegsalter der Tabakkonsumenten alarmierend. Laut Forsa-Umfrage liegt das Einstiegsalter bei knapp 90 Prozent der Befragten vor dem 21. Lebensjahr: 14 Prozent im Alter zwischen 18 und 20 Jahren, 29 Prozent mit 16 oder 17 Jahren und 32 Prozent mit 14 oder 15 Jahren. 13 Prozent waren sogar noch jünger. „Es ist nachgewiesen, dass junge Leute, die vor Vollendung des 21. Lebensjahres mit dem Rauchen angefangen haben, ein deutlich erhöhtes Risiko lebenslanger Tabakabhängigkeit haben. Tabakrauch enthält mindestens 3.500 toxische chemische Substanzen, von denen bereits 55 als karzinogen befunden wurden. Aktives und passives Rauchen haben immense gesundheitliche Folgen wie COPD, Lungenkrebs, frühzeitige Mortalität und viele andere Krankheiten“, sagt die Expertin der AOK Baden-Württemberg. Die Effekte des Rauchens seien in frühen Lebensphasen besonders gravierend und resultierten häufig in gesundheitlichen Langzeitschädigungen. Aus diesem Grunde solle Tabakrauchabstinenz bereits zu Beginn menschlichen Lebens gefordert werden, nämlich ab der pränatalen Phase.

Die Hoffnung der Politik, mit abschreckenden Bildern auf Tabakwaren, Raucher vom Rauchen abzubringen, wird durch die Forsa-Studie zerschlagen. 90 Prozent der regelmäßigen Raucher gaben an, die Bilder eher nicht abschreckend zu finden. „Diese Maßnahme hat dementsprechend nicht zum gewünschten Ergebnis geführt. Dafür könnte aber ein Werbeverbot für Zigaretten und Tabakwaren dazu führen, dass in Zukunft weniger Menschen überhaupt erst mit dem Rauchen anfangen“, sagt Dr. Manuela Pfinder.

Mit dem bundesweiten Wettbewerb „Be smart, don’t start“ für rauchfreie Schulklassen will die AOK Baden-Württemberg gemeinsam mit ihren Partnern Schülerinnen und Schüler der sechsten bis achten Klassen für die gravierenden gesundheitlichen Folgen des Rauchens sensibilisieren und deren Einstieg ins Rauchen verhindern. Für alldiejenigen, die bereits rauchen und damit aufhören möchten, bietet die AOK Baden-Württemberg Entwöhnungskurse an.

Quelle: Die repräsentative Online-Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der AOK Baden-Württemberg durchgeführt. Befragt wurden zwischen dem 29. Juni und dem 12. Juli 2018 insgesamt 1.010 nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählte Internetnutzer ab 18 Jahren in Baden-Württemberg.

Weiterlesen: AOK Baden-Württemberg

 

Engagement

Neuer Partner: Brot für die Welt

Das freut uns besonders, weil wir in den ersten Jahren sehr schöne Aktionen mit Brot für die Welt durchgeführt hatten. Gleich bei den ersten Aktionen von FRIEDENSBAND war BROT FÜR DIE WELT unser Partner. “Wir finden die Aktion Nikotinkinder eine sehr gelungene, politische Bildungsarbeit und unterstützen sie gern ideell. Der inhaltliche Anknüpfungspunkt ist für uns die globale Kampagne „100 Million“ www.brot-fuer-die-welt.de/100million. 

 

 

 

Werbung

Belgien: Weniger harte Strafen für Verstöße

Einzelhändler sollen künfig keine 80.000 Euro mehr zahlen müssen, wenn sie gegen das Gesetz der Tabakwerbung verstoßen. Wie die Zeitung „Le Soir“ berichtet, hat Gesundheitsministerin Maggie De Block (Open VLD) beschlossen, dass die Mindeststrafe auf 2.000 Euro herabgesetzt wird. Laut De Block waren die Geldbußen unverhältnismäßig hoch, sodass in der Praxis oft überhaupt keine Sanktionen verhängt wurden.

Tabakwerbung ist in Belgien grundsätzlich verboten. Es gibt allerdings Ausnahmen: Tabak- und Zeitungsläden dürfen in ihrem Geschäft und an der Fassade für Tabakerzeugnisse werben. Die kostenlose Zugabe von Feuerzeugen zu einer gekauften Zigarettenschachtel ist dagegen verboten.

weiterlesen: Grenzecho

Tabakkonzerne

Philip Morris und die rauchfreie Welt

“Wir stehen vor der größten Marketingchallenge, die es heutzutage gibt”

Der weltweit größte Tabakkonzern macht sich für eine rauchfreie Welt starkt. Verbraucher reagieren kritisch, wirtschaftlich allerdings rechnet sich die Idee. Wie kann das sein? Ein Interview mit André Calantzopoulos, Chef von Philip Morris.

Keiner schreibt André Calantzopoulos vor, ob er rauchen muss oder nicht. Sagt er jedenfalls. Calantzopoulos ist Vorstandsvorsitzender von Philip Morris, dem weltweit größten Tabakkonzern. Sieben der international umsatzstärksten Zigarettenmarken gehören zum Konzern, darunter Marlboro, Virginia Slims, L&M und Chesterfield. Das meiste Geschäft macht Philip Morris in Asien, danach folgen die EU und Osteuropa.

Mehr Umsatz als erwartet

Im Moment sitzt Calantzopoulos in einem kleinen Raucherkabuff unweit eines großen Kreativfestivals und inhaliert „Iqos“. Bei dem Tabakerhitzer handelt es sich um keine gewöhnliche E-Zigarette, seine Funktionsweise fällt unter das sogenannte „Heating“: Der Tabak wird nicht wie beim gewöhnlichen ­Rauchen verbrannt, sondern auf gut 300 Grad erhitzt. ­Der Raucher konsumiert also Nikotin, soll aber auf die krebs­erregenden Stoffe verzichten können, die der Zigarettenrauch enthält. Iqos soll die Zukunft von Philip Morris sichern. Calantzopoulos hat ein Ziel, das er bereits des Öfteren ­öffentlichkeitswirksam formuliert: Er will die Welt rauchfrei machen. Der Plan klingt paradox. Gerade erst flog dem Konzern seine Anti-Raucher-Kampagne in Großbritannien um die Ohren. Die kürzlich veröffentlichten Konzernzahlen allerdings zeigen, dass sich der Plan für Philip Morris durchaus rechnet: Im abgelaufenen Quartal verdiente Philip Morris deutlich mehr als erwartet.

W&V: Philip Morris sucht normalerweise nicht explizit die Nähe zu Kreativen und Marketingprofis. Was tun Sie hier, Herr Calantzopoulos?
Calantzopoulos: Ich nehme zum ersten Mal an einem solchen Festival teil. Der Grund ist simpel: Wir glauben an die Idee einer rauchfreien Welt, ohne Zigaretten und es ist unsere Aufgabe, so ­viele Menschen wie möglich davon zu überzeugen und das möglichst schnell. Unser Credo ist: „Hör mit den Zigaretten auf oder wechsle zu besseren ­Alternativen.“

Das ganze Interview lesen Sie hier: W&V

Tabakkonzerne

Japan: Philip Morris Anti-Rauch-Kampagne

Tabakkonzern Philip Morris wirbt in Japan mit Glitzer und Dampf um neue Kunden

Der Tabakkonzern Philip Morris will bei den rauch- und experimentierfreudigen Japanern mit seinen neuen, angeblich gesünderen Produkten punkten. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, die Risiken zu beschönigen.

In Japan raucht fast jeder fünfte Erwachsene. Warnungen auf Zigarettenschachteln sind kleingedruckt, abschreckende Fotos fehlen völlig. Für den Tabakriesen Philip Morris International sind die experimentierfreudigen Japaner nun das Ziel einer Werbekampagne – ausgerechnet mit der Maßgabe, die Welt „rauchfrei“ zu machen.

Doch wo der Rauch fehlt, bleibt immer noch der Tabak: Philip Morris will neue Generationen mit seinen Iqos-Geräten gewinnen, die Tabak erhitzen, ohne ihn zu verbrennen. Von den fast sechs Millionen Nutzern dieses Produkts kommen fünf Millionen aus Japan. Die Menschen im Land liebten Innovationen, erklärt Unternehmenschef André Calantzopoulos in Tokio.

Iqos ist in großen Teilen Europas, in der Türkei, Südkorea, Neuseeland und Kolumbien auf dem Markt. Für die USA steht die Genehmigung noch aus. Indem das Gerät Tabak nur leicht erhitzt, sondert es nach Angaben des Unternehmens Dampf und Geschmack ab, ohne die Nutzer den Risiken von Rauch und Teer aus Zigaretten, Zigarren und Pfeifen auszusetzen. Es unterscheidet sich von E-Zigaretten insofern, als dass diese keinen Tabak enthalten, sondern eine Flüssigkeit verdampfen, die für gewöhnlich Nikotin enthält.

400 Millionen Euro Umsatz, 40 Prozent Wachstum: Immer mehr Raucher steigen auf E-Zigaretten um

Immer mehr Raucher in Deutschland steigen auf E-Zigaretten um: Experten erwarten, dass der Markt noch in diesem Jahr um weitere 40 Prozent wachsen wird.

In Japan scheint die Werbemasche zu funktionieren. Philip Morris hat in den trendigen Stadtteilen des Landes neun Iqos-Läden mit kostenlosem WLAN und kostenlosen Getränken eröffnet. Die 32 Jahre alte Friseurin Mami Kugishima sagt, sie finde es gut, dass der Geruch nicht in ihrem Haar hängen bleibe. „Es beruhigt mich“, sagt sie, während sie an ihrem mit Glitzersteinen besetzten Rauchgerät zieht. Sie gibt zu, es wäre besser, ganz aufzuhören, aber „ich mag es, wenn ich ausgehe und etwas trinke“.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ist Tabak eine der führenden Todesursachen. Jährlich sterben demnach sieben Millionen Menschen daran, 890.000 von ihnen sind Nichtraucher, die dem Qualm passiv ausgesetzt waren. Philip Morris hält dagegen, dass vom Unternehmen in Auftrag gegebene Studien gezeigt hätten, dass es mit Iqos weniger Gesundheitsrisiken gebe, auch wenn sie nicht auf Null reduziert seien. So führten die niedrigeren Temperaturen des Geräts dazu, dass weniger krebserregende Stoffe freigesetzt würden als etwa bei konventionellen Zigaretten und der Nutzer gleichzeitig in den Genuss des Nikotin komme. Calantzopoulos sagt, der Gebrauch des Gerätes fördere die Gesundheit der Menschen. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, die Risiken schönzureden, um eine neue Generation von Tabakkonsumenten anzulocken – was Philip Morris abstreitet.

Bungaku Watanabe, einstiger Raucher, der seit 40 Jahren eine Gegenkampagne leitet, glaubt, dass Japan zu leichtfertig mit Tabak umgehe, auch mit Iqos. Die japanische Regierung besitzt ein Drittel der Anteile am wichtigsten Zigarettenunternehmen des Landes, Japan Tobacco, und ist damit größter Investor. Bis 1985 unterlag die Tabakbranche einem staatlichen Monopol, zugleich ist sie eine riesige Quelle für Steuereinnahmen. „Für ein entwickeltes Land ist das eine wirklich ungewöhnliche Situation“, sagt der 81-jährige Watanabe.

Philip Morris ist noch immer einer der größten Hersteller konventioneller Tabakprodukte. Neben Marlboro gehören auch Parliament, L&M und Chesterfield zu den Marken des Unternehmens. Außerdem verkauft es die lokalen „traditionellen“ Marken Dji Sam Soe, Sampoerna A und Sampoerna U in Indonesien, Fortune und Jackpot auf den Philippinen, Belmont und Canadian Classics in Kanada sowie Delicados in Mexico. Wer in Japan ein Iqos-Starterpaket erwerben will, zahlt mindestens 7980 Yen (62 Euro). Nachfüllpackungen sehen aus wie kleine Zigaretten, enthalten gemahlene und gepresste Tabakblätter und kosten 500 Yen (3,90 Euro) pro Schachtel – fast genauso viel wie ein Päckchen Marlboros.

Wie anderswo geht auch in Japan die Zahl der Raucher zurück. Vor 40 Jahren rauchten noch 75 Prozent der männlichen Erwachsenen, Nichtraucherzonen waren rar. Heute müssen sich Raucher in Bürogebäuden in Extraräume zurückziehen oder nach draußen gehen. Noch 28 Prozent der Männer rauchen derzeit, unter allen Erwachsenen sind es 18 Prozent und damit weniger als in Indonesien oder Russland, aber mehr als in Brasilien oder Mexiko. In Deutschland rauchen rund 29 Prozent der Erwachsenen.

Shunichi Ihara arbeitet als Arzt in einer Klinik in Tokio, die Raucher beim Aufhören unterstützt. Er sagt, einige seiner Patienten versuchten, sich auch von Iqos zu entwöhnen. „Es ist das Beste, wenn alle Menschen mit dem Rauchen aufhören.“

 

Quelle: WirtschaftsWoche

Tabakkonzerne

Großbritannien: Philip Morris startet Anti-Rauch-Kampagne

Es ergibt zweifelsfrei ein fragwürdiges Bild, wenn einer der weltweit größten Tabakkonzerne dafür wirbt, mit dem Rauchen aufzuhören. Genau das hat Philip Morris mit einer Kampagne namens Hold My Light kürzlich in Großbritannien gemacht. Von der Krebsforschungsorganisation Cancer Research gab es dafür vernichtende Kritik. Einem Bericht der BBC zufolge spricht man bei der Organisation von einer “atemberaubenden Heuchelei”.

Der Marlboro-Produzent rechtfertigt die Kampagne “als nächsten wichtigen Schritt für das Ziel, keine Zigaretten mehr zu verkaufen”. Cancer Research ortet gänzlich andere Beweggründe hinter der Aktion. Der Konzern wolle lediglich seine E-Zigaretten vermarkten und werbe außerhalb von Großbritannien ja weiter für Zigaretten.

Nur Produktionsstopp hilft

“Wenn Philip Morris den Menschen wirklich helfen will, mit dem Rauchen aufzuhören, sollten sie keine Zigaretten mehr produzieren”, sagte George Butterworth von Cancer Research. Rauchen liege überdies auf Platz eins der vermeidbaren Krebsursachen, echauffierte sich Butterworth.

Unterstützung bekam Cancer Research von der Gesundheitsorganisation Action on Smoking and Health (ASH), die die Kampagne ebenfalls hart kritisierte. ASH-Geschäftsführerin Deborah Arnott sagte, das sei ein Trick, um das britische Werbeverbot für Rauchen zu umgehen. Die meisten Tabakwerbungen sind in Großbritannien verboten.

Unverständliche Kritik

Auf Konzernseite stößt die Kritik auf Unverständnis. “In der Kampagne wollen wir Raucher dabei unterstützen, Alternativen zu finden”, erklärt der britische Philip-Morris-Manager Peter Nixon. Die Frage, warum der Konzern die Zigarettenproduktion nicht einstelle, beantwortete er recht unternehmerisch: “Wenn wir die Produktion stoppen, wechseln die Kunden halt zur Konkurrenz. Außerdem machen Zigaretten 87 Prozent unseres Geschäfts aus.” Nichtsdestotrotz wolle man so schnell wie möglich “rauchfrei” werden und Alternativen verkaufen.

Tabakfirmen blicken in Großbritannien harten Zeiten entgegen. Im Juli präsentierte die Regierung ihren Plan zur Tabakkontrolle. Bis 2022 soll die Anzahl der Raucherinnen und Raucher in Großbritannien von nun 15,5 auf zwölf Prozent gefallen sein. Laut Firmenangaben hat der Tabakkonzern bisher rund vier Milliarden Pfund (4,5 Milliarden Euro) in die Entwicklung von Zigarettenalternativen investiert.

Quelle: DERSTANDARD

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