Viele von uns haben in irgendeiner Form in ihrer Jugend gearbeitet – für den Fotoapparat oder die Ferien. Da war in der Landwirtschaft bei der Ernte, in einem Geschäft oder beim Austragen von Brötchen. Leicht war die Arbeit nicht immer, aber es war keine Kinderarbeit. Es füllte nicht den ganzen Tag aus, ließ noch Raum für Hobbies und vor allem, es war zeitlich begrenzt. Was aber ist Kinderarbeit?

 

 

Ausgebeutet werden

Kinderarbeit, das heißt ausgebeutet werden. Oft werden Kinder über ihre Kräfte hinaus beansprucht. Sie sind häufig in viel zu langen Arbeitszeiten tätig und werden dabei nicht ausreichend versorgt. Viele Kinder erleben aber auch Formen der Sklaverei, werden verkauft, unterliegen einer Schuldknechtschaft oder Leibeigenschaft, oder müssen als Kindersoldaten in bewaffneten Konflikten kämpfen.

Bei den Kindern, die auf den Tabakfeldern arbeiten, haben wir beinahe alle diese Elemente, die zusammen zu einer fatalen gesundheitlichen Gefährdung der Kinder führen. Die Kinder arbeiten oft zwölf du mehr Stunden, haben kaum Pausen. Zusammen mit ihren Eltern sind sie in einer Form der Schuldknechtschaft.

 

Kein Schulbesuch

Kinderarbeit, das heißt nicht oder nur eingeschränkt zur Schule gehen können. Das ist fatal für die Kinder, die damit vom Wohlstand für alle Zukunft ausgeschlossen bleiben. Sie haben keine Zukunft und können nicht eine Familie gründen oder diese nicht ausreichend ernähren, was wiederum Kinderarbeit hervorruft.

Die Kinder auf den Tabakfeldern gehen teilweise zur Schule. Allerdings ist wegen der Überbeanspruchung durch die Arbeit und die Vergiftung durch Nikotin ihre Lernfähigkeit stark herabgesetzt.

 

Gesundheitliche Gefährdung

Kinderarbeit, das heißt gesundheitlich gefährdet sein. Oft müssen Kinder mit scharfen Gegenständen auf Plantagen arbeiten. Sie können noch so geschickt sein, Übermüdung und Überarbeitung führen zu Fehlern und zu oft schweren Verletzungen. Kinder werden oft eingesetzt, mit Chemikalien oder Pestiziden zu arbeiten, meist mit nicht ausreichendem Schutz. Aber ganz allgemein kann gesagt werden, dass Kinderarbeit zu dauerhaften psychischen und physischen Schädigungen führt.

Das trifft bei den Kindern auf den Tabakfeldern in hohem Maße zu. Sie sind oft ungeschützt den Pestiziden ausgesetzt, wenn sie die Pflanzen ernten oder bearbeiten.

 

Sexuelle Ausbeutung

Kinderarbeit, das heißt in vielen Fällen, sexuell ausgebeutet zu werden. Millionen von arbeitenden Mädchen, aber auch viele Jungen, werden ausschließlich oder zusätzlich zu ihrer Arbeit sexuell missbraucht. Kinderprostitution betrifft zunehmend auch Kinder in Deutschland. Dazu gehört auch die Herstellung von Pornografie mit Kindern. Die Sexindustrie hat einen florierenden Markt geschaffen.

Ob es auf den Plantagen auch zu sexueller Ausbeutung kommen, ist uns nicht bekannt, kann aber nicht ausgeschlossen werden, da Kinder, die nicht im Familienverband arbeiten, in einem Abhängigkeitsverhältnis ohne besonderen Schutz davor sind.

 

Kein Kind sein möglich

Kinderarbeit, das schließt letztendlich aber auch etwas aus, was ganz wesentlich zum Kind sein gehört: spielen dürfen, Freizeit genießen, Hobbies haben, mit Freunden etwas unternehmen zu können.

Das trifft in jedem Fall auf die Kinder zu, die auf den Tabakfeldern arbeiten. Sie haben keine Chance, Kind zu sein.

 

Wie viele Kinder arbeiten?

Nicht alle 218 Millionen Kinder, die weltweit arbeiten, tun dies in einer ausbeuterischen Form. So werden Kinder nicht dazu gezählt, die älter als 12 Jahre sind und nur einige Stunden pro Woche eine erlaubte leichte Arbeit verrichten. Zeitungsaustragen einmal in der Woche zählt also nicht dazu. Aber immerhin 152 Millionen Kinder unter 17 Jahren müssen Kinderarbeit leisten, das sind etwa so viele Kinder wie in der gesamten EU leben!

UNICEF sagt: Insgesamt arbeiten mehr Jungen (88 Millionen) als Mädchen (64 Millionen). Fast die Hälfte der Kinderarbeiter – 73 Millionen – leidet unter Arbeitsbedingungen, die gefährlich oder ausbeuterisch sind – zum Beispiel in Goldminen in Burkina Faso, als Textilarbeiter in Bangladesch, auf Kakaoplantagen in der Elfenbeinküste oder auf Farmen in Lateinamerika. 48 Prozent der Kinderarbeiter sind unter 12 Jahre alt oder besser gesagt jung. Die meisten Mädchen und Jungen, die arbeiten müssen (72 Millionen), leben in Afrika, gefolgt von Asien (62 Millionen).

Immerhin wollen fast alle Staaten alle Formen von Kinderarbeit bis 2025 vollständig abschaffen. Die aktuelle Situation lässt aber nicht darauf schließen, dass das erreicht wird.

Es ist nicht bekannt, wie viele Kinder in den Tabakplantagen arbeiten.

 

Reiche Länder – arme Länder

Verkürzt kann festgestellt werden, dass der größte Teil der Kinder letztlich von Konzernen ausgenutzt werden, die fernab in den reichen Ländern der Welt etabliert sind. Sie sehen das Elend nicht, dass sie anrichten. Ferngesteuert helfen ihnen örtliche Firmen als Zwischenstationen, die Kinderarbeit zu betreiben und auch zu verschleiern.

Denn das haben die Konzerne spätestens aus dem Einsturz der Textilfabrik in Bangladesch gelernt: Auch Edelmarken können sehr schnell in der Käufergunst verlieren, wenn sie durch Bilder von Ausbeutung beschmutzt werden. Deswegen geben diese Konzerne mittlerweile viel Geld aus, mit Projekten gegenzusteuern, die positive Bilder erzeugen. Leider sind es in den meisten Fällen nur scheinbar

In den Ländern, in denen Kinder ausgebeutet werden, wird es auch auf absehbare Zukunft für einen Teil der Bevölkerung keine ausreichenden Zukunftsperspektiven geben. Diese instabilen Gesellschaften geben jungen Menschen keinen Anlass im Land zu bleiben und ihnen bleibt nichts Anderes übrig, als dorthin zu gehen, wo die Ausbeutung herkommt.

 

Was sagen die Konerne zu den Vorwürfen

Tatsächlich verbieten die Tabakkonzerne die Kinderarbeit. Es gibt strenge Strafen für die Familien, die erwischt werden. Da aber die Tabakkonzerne kein Interesse an den Kontrollen haben, wird sich durch ein Verbot nichts ändern. Und was sollen die Familien auch machen? Die Kinder arbeiten nicht, weil es den Eltern Spaß macht, sondern weil sie sonst nicht überleben können.

Schuld daran sind die Knebelverträgen der Tabakfirmen. Die Süddeutsche Zeitung hat das in einem Artikel 2016 am Beispiel von Charles Batison in Malawi aufgezeigt. Er hat sich per Vertrag verpflichtet, seinen Tabak komplett an eine Tabakfabrik zu liefern statt ihn an der Börse anzubieten; die Firma stellt ihm auf Kredit das Saatgut und den Dünger zur Verfügung – doch mit dem Erlös für seine Ernte schafft er es kaum, die Schulden abzutragen. Seinen abgelieferten Rohtabak bekommt Charles Batison in der Landeswährung Kwacha vergütet – Saatgut und Dünger dagegen werden ihm in US-Dollar in Rechnung gestellt. “So tragen wir das Risiko von Währungsschwankungen”, sagte er. Quelle: Süddeutsche Zeitung “Das blutige Geschäft mit den Tabak-Sklaven, 18.6.2016

Kinderarbeit wäre in Brasilien eigentlich verboten, sagt Margaret Matos, Ermittlerin im Ministerium für Arbeit in Curitiba: Aber „die Tabakindustrie beutet Kinder und Jugendliche aus” Sie hat 18 Verfahren gegen die Tabakindustrie laufen. „Die Industrie unternimmt gar nichts, um dies zu verhindern.“

 

Kinderarbeit auch in Deutschland

Auf den Tabakfeldern in Süddeutschland wurden auch Kinder eingesetzt – und versteckt, wenn die Kontrolleure kamen. Mehr